In den aktuellen Nachrichten lesen wir von Rekordzahlen bei den Suiziden unter israelischen Soldaten. Wer genauer hinsieht, erkennt schnell die wahre Ursache. Es ist nicht der bloße Kampfstress. Soldaten können in der Regel mit Gefahr und Feuergefechten umgehen. Es ist der moralische Bruch, der die Menschen innerlich zerreißt. Psychologen nennen es Moral Injury. Wenn junge Menschen, die sich eigentlich als Beschützer sehen, plötzlich realisieren, dass sie die ultimative menschliche Grenze überschritten haben und Kinder zu Opfern ihrer Einsätze wurden, kollabiert die Psyche. Ein solches Ausmaß an zivilen Opfern lässt sich nicht mehr mit einem Nebel des Krieges oder einem Versehen erklären. Es ist das kalkulierte Ergebnis einer gnadenlosen Einsatzdoktrin.
Doch wer trägt die wirkliche Verantwortung? Die Soldaten an der Front brechen unter der Last zusammen, während diejenigen, die diese Strukturen erschaffen haben, unangetastet bleiben. Es herrscht die grausame Logik der Machtpolitik. Solange ein Machtapparat stabil ist, schützt er seine Architekten rigoros durch Immunität und verdrehte Gesetze. Man kann die Hauptverantwortlichen zu diesem Zeitpunkt nicht einfach zur Rechenschaft ziehen. Erst wenn solche Systeme ins Wanken geraten, wie die Geschichte es immer wieder gezeigt hat, wird aus Moral plötzlich wieder geltendes Recht. Bis dahin herrscht für die Eliten eine geradezu bequeme Straflosigkeit.
Die Weltöffentlichkeit sieht all dem wie gelähmt zu. Es wirkt wie ein absurder Zirkus, in dem die Medien sensationsgierig das Leid ausschlachten und die Politik leere Phrasen drischt. Das Perfide daran ist, dass wir als normale Bevölkerung dieses globale Theater mit unseren Steuern und unserer alltäglichen Arbeit auch noch finanzieren. Die etablierte Doppelmoral greift um sich wie eine Seuche. Machtmenschen handeln nämlich nur dann sofort und konsequent, wenn sie selbst persönlich in Gefahr sind. Geht es jedoch um das Leben anderer, blockieren sie mutige Entscheidungen sofort unter dem Deckmantel von Diplomatie und strategischen Bedenken.
Was wir derzeit auf globaler Ebene erleben, ist ein systemischer Narzissmus. Ein gigantischer Machtapparat kann keine eigenen Fehler eingestehen. Wehren sich die Menschen, nachdem sie lange genug in die Enge getrieben wurden, dreht das System die Erzählung umgehend um. Plötzlich werden die Opfer als die alleinigen Gewalttäter gebrandmarkt. Es herrscht eine kalkulierte funktionale Kälte, bei der echte Menschlichkeit lediglich als störendes Risiko betrachtet wird.
Wir leben deshalb nicht nur in einer fehlerhaften Gesellschaft, wir leben auf einem Bananenplaneten. Alles scheint Banane zu sein, egal ob in der Politik oder den Medien. Aber genau hier liegt der wichtigste Punkt für jeden Einzelnen von uns. Wer darauf wartet, dass die Verantwortlichen von selbst aufwachen, verschwendet seine Zeit. Man darf sich von dieser globalen Verantwortungslosigkeit nicht lähmen lassen.
Die einzige echte Antwort lautet, unbeirrt geradeaus zu gehen. Man muss im eigenen Leben vormachen, wie Menschlichkeit und Integrität wirklich aussehen, ob die Systeme es wollen oder nicht. Nur wenn Individuen konsequent bei ihren Werten bleiben und wahre Verantwortung leben, geraten die erstarrten alten Strukturen irgendwann derart unter Druck, dass sie sich ändern müssen. Wahre Veränderung beginnt immer damit, dass jemand den Mut hat vorauszugehen.