Die selektive Moralkeule: Das laute Geschrei bei Kritik und das ohrenbetäubende Schweigen bei Opfern
Es ist ein faszinierendes, aber tief beunruhigendes Phänomen unserer Zeit. Sobald man anfängt, sichtbare Missstände, patriarchale Strukturen oder bestimmte Auslegungen des Islam kritisch zu hinterfragen, völlig egal, wie differenziert und sachlich man das tut, passiert immer das Gleiche. Wie auf Knopfdruck kriechen Menschen aus ihren Löchern, die man sonst im gesellschaftlichen Diskurs nie zu Gesicht bekommt. Sie schwingen die große Moralkeule und dreschen unerbittlich auf den Kritiker ein. Sie reagieren nicht auf das konkrete Verhalten, das beschrieben wurde. Sie sprechen kein Wort über die Frauen, die fünf Meter hinter dem Mann laufen müssen. Sie reden nicht über die verinnerlichte Unterdrückung. Sie reden ausschließlich über den, der es wagt, das Offensichtliche auszusprechen. Sofort fallen die immer gleichen Kampfbegriffe: „Islamfeindlichkeit!“, „Rassismus!“, „Intoleranz!“ Doch was auf den ersten Blick wie heldenhafte Zivilcourage aussieht, ist in Wahrheit etwas völlig anderes: Es ist ein sozialpsychologischer Reflex und der Gipfel der politisch-moralischen Heuchelei.
Der Reflex: Das Feindbild verteidigen, statt die Realität zu sehen
Die Menschen, die so reflexartig zuschlagen, verwechseln absichtlich die Kritik an einem System mit der Kritik an Menschen. Obwohl man klarstellt, dass man eine Ideologie und eine Praxis kritisiert und nicht etwa Muslime pauschal abwertet, wird einem genau das in den Mund gelegt. Warum tun sie das? Weil es viel einfacher ist, sich moralisch überlegen zu positionieren, als sich mit einer unbequemen, rauen Wirklichkeit auseinanderzusetzen. Diese Leute haben panische Angst davor, in ihrer eigenen Blase als „intolerant“ zu gelten. Also überkompensieren sie. Sie verteidigen in ihren Köpfen ein rein abstraktes, romantisiertes Weltbild. Wenn die Realität dieses Weltbild stört, wird nicht die Realität analysiert, sondern derjenige attackiert, der sie benennt. Es ist kein echter Dialog. Es ist ein reiner Abwehrmechanismus, um die eigene Komfortzone nicht verlassen zu müssen. Der blinde Fleck: Wo ist die Moral, wenn es Opfer gibt? Besonders entlarvend wird diese Heuchelei jedoch an einem ganz bestimmten Punkt. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen: Ich behaupte nicht, dass der Islam als Religion grundsätzlich und pauschal gewalttätig ist. Das wäre schlichtweg falsch. Aber wir alle wissen, das ist eine historische und sicherheitspolitische Tatsache, dass es leider genau aus diesem religiös-extremistischen Spektrum tödliche Vorfälle in Europa gab. Und wir wissen auch: Die Opfer dieser Taten wären heute keine Opfer, hätte die Politik von Anfang an ihren Job richtig gemacht und Warnsignale nicht aus falscher Toleranz ignoriert. Und genau hier zeigt sich die wahre Fratze der Moralkeulen-Schwinger. Wenn es um diese Opfer
geht, hört man von genau jenen Leuten plötzlich nichts mehr. Absolute Funkstille. Kein Aufschrei. Keine Lichterketten. Keine großen Plädoyers für die Unantastbarkeit des Lebens. Die moralische Empörung wird hochgradig selektiv eingesetzt. Wenn Frauen unterdrückt werden oder Menschen Opfer von extremistischer Gewalt werden, schweigen sie. Warum? Weil es ihnen in Wahrheit nie um die Opfer ging. Es geht ihnen ausschließlich um ihr eigenes moralisches Selbstbild. Echte Opfer passen nicht in ihre Erzählung von der grenzenlosen, unproblematischen bunten Welt.
Das No-Win-Spiel der Diskursverweigerer
Es ist ein zynisches Spiel, das uns an jedem echten gesellschaftlichen Fortschritt hindert. Erwähnt man die Opfer religiöser Gewalt, wird man ermahnt: "Schweig, das ist unpassend und spaltet." Erwähnt man die Täter, heißt es sofort: "Schweig, das ist rassistisch." Erwähnt man die patriarchalen Strukturen: "Schweig, das ist intolerant." Dieses Spiel hat nur ein einziges Ziel: Kritik im Keim zu ersticken. Nicht, weil die Kritik inhaltlich falsch wäre. Sondern weil sie tabuisiert wurde. Wer einen solchen Reflex auslöst, wer diesen Sturm der künstlichen Empörung abbekommt, darf sich eines gewiss sein: Er hat einen tiefen, schmerzhaften Nerv getroffen. Das plötzliche, laute Auftauchen dieser Moralapostel ist der ultimative Beweis dafür, dass der Finger genau in der richtigen Wunde liegt. Wir werden diesem moralischen Erpressungsversuch nicht nachgeben. Wahre Toleranz schließt die benachteiligten Frauen und die Opfer von Gewalt mit ein. Wer aus Angst, als intolerant zu gelten, den Mund hält, verrät nicht nur unsere europäischen Werte, er verrät vor allem diejenigen, die unter diesen Systemen leiden.