Es ist gerade groß in Mode, die bundesdeutsche TV-Vergangenheit auf die moralische Anklagebank der Gegenwart zu zerren. In Dokumentationen wie „Was haben wir gelacht“ wird ein klares Narrativ gesponnen: Das Unterhaltungsfernsehen der 90er Jahre war eine toxische Hölle des strukturellen Sexismus. Im Fadenkreuz dieser retrospektiven Säuberungsaktion stehen vor allem zwei Männer, die das Land jahrzehntelang vor den Bildschirmen versammelten: Thomas Gottschalk und Harald Schmidt. Doch wer die mediale Mechanik hinter dieser Anklage seziert, erkennt schnell: Hier geht es nicht um ehrliche Aufarbeitung. Es geht um eine beispiellose Farce.

Die Umdeutung von Charme und Show

Der Vorwurf lautet, Gottschalk und Schmidt hätten Frauen systematisch auf Klischees reduziert. Doch das hält einem ehrlichen Blick auf die damalige Zeit nicht stand. Charme, Zuvorkommenheit oder auch die schnodderige Frechheit eines Moderators sind keine Instrumente der Unterdrückung, sondern schlichtweg Werkzeuge des Showbusiness.

Gottschalk war kumpelhaft zu Männern und warmherzig-charmant zu Frauen. Schmidt war zynisch und ironisch und zwar mit dem Rasenmäherprinzip gegenüber allem und jedem, völlig unabhängig vom Geschlecht. Es gab keine geschlechterbasierte Asymmetrie, sondern nur eine Showlogik. Wer heute jede charmante, menschliche Geste eines Mannes gegenüber einer Frau pauschal als Sexismus degradiert, degradiert am Ende nur seine eigene Wahrnehmung.

Warum also stehen die beiden heute am Pranger? Die Antwort ist simpel: Weil sie nicht mehr kompatibel sind. Gottschalk und Schmidt kritisieren seit Langem den heutigen Konformitätsdruck, die sprachlichen Korsetts und die mediale Selbstgerechtigkeit. Sie beugen sich dem Zeitgeist nicht. Und wer im deutschen Medienbetrieb nicht mehr konform mitläuft, wird demontiert. Die Sexismus-Keule ist dafür das perfekte, da kaum abwehrbare Instrument.

Die Inflation eines Kampfbegriffs: Was Sexismus wirklich ist

Um die ganze Absurdität dieser medialen Hexenjagd zu begreifen, müssen wir den Begriff „Sexismus“ wieder vom ideologischen Schaum befreien. Echter Sexismus ist eine harte Realität: Die systematische Benachteiligung, die handfeste Abwertung oder die eiskalte Degradierung eines Menschen allein aufgrund seines Geschlechts. Punkt. Was Sexismus hingegen nicht ist: Eine charmante Geste, ein schlagfertiger Spruch, ein ironischer Flirt vor laufenden Fernsehkameras oder eine natürliche, biologische Gruppendynamik.

Wenn heute jeder Witz, jede Zuvorkommenheit und jedes zwischenmenschliche Spiel mit dem Stempel „Sexismus“ gebrandmarkt wird, verkommt ein ehemals ernster Begriff zur inflationären Allzweckwaffe der Empörungsindustrie. Schlimmer noch: Es ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die in der echten Welt tatsächliche Benachteiligung erfahren. Wer den Charme und die Show-Spiele der 90er Jahre mit systematischer Unterdrückung gleichsetzt, hat nicht nur den rhetorischen Kompass verloren, sondern auch jeden Sinn für Proportionen. Dieser Leitartikel-Blase geht es längst nicht mehr um echte Gerechtigkeit, es geht um die Umerziehung der Gesellschaft hin zu einer sterilen, humorlosen und von permanentem Misstrauen geprägten Einöde.

Eine oscarreife Inszenierung des Unwohlseins

Zwingend notwendig für diese Art der medialen Berichterstattung sind Kronzeugen. Jemand, der damals Teil des Systems war und heute das gewünschte toxische Narrativ bestätigt. Auftritt: Esther Schweins.

Wenn heute ehemalige Stars von Formaten wie RTL Samstag Nacht vor laufenden Kameras bekunden, wie unwohl sie sich damals eigentlich in ihrer Rolle gefühlt hätten, dann wird der Zuschauer für dumm verkauft. Schweins war in den 90ern nicht das passive Rädchen im Getriebe, zu dem sie heute gerne stilisiert wird. Sie war unfassbar präsent, rotzfrech, schlagfertig und hat die gnadenlose Comedy jener Zeit aktiv und lustvoll mitgeprägt.

Wer schnelles, improvisiertes und oft völlig respektloses Fernsehen macht, kann echtes, strukturelles Unbehagen nicht verbergen. Der Körper blockiert, das Timing stirbt, die Augen werden leer. Nichts davon war damals zu sehen, im Gegenteil: Es war pure, souveräne Spielfreude.

Um es klar zu sagen: Wer sein tiefes Unwohlsein auf eine derart perfekte Weise überdecken könnte wie die damalige Esther Schweins, der wäre nicht nur eine grandiose Schauspielerin, sondern hätte danach die weibliche Hauptrolle in jedem Blockbuster dieses Planeten spielen müssen. Da der Ruf aus Hollywood jedoch ausblieb, bleibt nur eine logische Erklärung: Das angebliche Unbehagen ist retrospektiv erfunden.

Umdeutung der Natur und das Fehlen eigener Reife

Und hier liegt der eigentliche, tiefenpsychologische Kern dieser Debatte verborgen: Wirkliche, gelebte Souveränität schiebt nicht dem Mann die Schuld für die eigene Unsicherheit in die Schuhe. Wenn ein Mann einer jüngeren Frau spielerischer, flirtender oder charmanter begegnet als einer älteren, dann ist das keine systematische „Diskriminierung“. Es ist ein Teil unserer DNA, eine völlig natürliche, biologische und soziale Dynamik, die so alt ist wie die Menschheit selbst.

Eine erwachsene Frau, die echte Souveränität besitzt, ruht so fest in sich selbst und ihrem Lebenswerk, dass sie diesen spielerischen Moment zwischen einem Mann und einer jüngeren Frau nicht als toxischen Angriff auf ihren persönlichen Wert begreift. Im Gegenteil: Sie lehnt sich zurück, lächelt und freut sich für die jüngere Frau, weil sie diese Phase des Lebens anerkennt. Das Problem, das uns heute als großer politischer Kampf verkauft wird, entsteht erst dann, wenn genau diese innere Stärke fehlt. Wenn persönliche Kränkung, das Verblassen der Jugend oder simple Unsicherheit verdrängt und stattdessen rückwirkend zu „strukturellem Sexismus“ umgedeutet werden. Der Mann wird zum Täter stilisiert, weil er natürliche Sympathien verteilt hat. Es ist der absurde Versuch einer Ideologie, die Natur zu verklagen, weil man nicht gelernt hat, souverän mit dem biologischen Lauf des Lebens umzugehen.

Opportunismus statt historische Wahrheit

Wir beobachten hier das Erschaffen einer alternativen Realität. Wer sich heute den strengen moralischen Doktrinen des Zeitgeistes anpasst und seine eigene Vergangenheit verleugnet, bleibt in der Branche „buchbar“ und bekommt Applaus von der richtigen Seite. Es ist der bequeme Weg. Den Preis dafür zahlt die eigene Integrität.

Diese ganzen Dokumentationen sind im Grunde eine Beleidigung für die Intelligenz der Zuschauer. Die Medienredaktionen verlangen von uns, dass wir den Archivaufnahmen und unseren eigenen Erinnerungen, nicht mehr trauen dürfen. Doch das Publikum ist nicht blind. Es erkennt den Unterschied zwischen der damaligen Realität und dem heutigen, windelweichen Opportunismus.

Es erfordert heute echtes Rückgrat, sich seinen damaligen Erfolgen ohne Reue zu stellen. Gottschalk und Schmidt tun das. Wer sie dafür heute nachträglich abstrafen will, beweist vor allem eines: dass Humor, echte Souveränität und Authentizität Eigenschaften sind, die die heutige Medienlandschaft schlichtweg nicht mehr ertragen kann.

Das Tribunal und die unerschütterliche Souveränität

Die Erbärmlichkeit dieser medialen Empörungsblase zeigt sich nirgendwo schonungsloser als im Kontrast zu den Beschuldigten selbst. Während linke Leitartikler heute fieberhaft 30 Jahre alte VHS-Kassetten nach vermeintlichen Mikro-Gesten absuchen, um das Lebenswerk eines Entertainers auf dem Scheiterhaufen der neuen Moral zu verbrennen, kämpft dieser Mann gerade um seine nackte biologische Existenz und meldet sich nach einer Krebsdiagnose mit dem nüchternen Satz zurück: „Die OP war ein Erfolg.“ Ein anderer Show-Gigant der 90er Jahre, Harald Schmidt, wischte den künstlichen Zirkus um seine Person kürzlich mit einem schlichten „Ging mir komplett am Arsch vorbei“ vom Tisch.

Es ist der absolute Albtraum für diese mediale Inquisition, denn ihre Macht existiert ausnahmslos nur dann, wenn der Angeklagte das Tribunal auch anerkennt. Wer nicht einknickt, wer keine Krokodilstränen weint und sich weigert, die Opfer-Täter-Spiele mitzuspielen, entzieht diesen selbsternannten Moralaposteln jeglichen Sauerstoff. An dieser unerschütterlichen Souveränität, an der harten Realität des echten Lebens, zerschellen ihre ideologischen Fackeln wirkungslos.