Wenn Navy-Piloten heute Videos von sogenannten UAPs (Unidentified Anomalous Phenomena) leaken, sitzen die Experten in den Talkshows und haben sofort ihre absolute, unumstößliche Erklärung parat. Sie sehen silberne Tic-Tacs ohne Flügel, die aus dem Stand auf Mach 20 beschleunigen und bei Überschall rechtwinklige Kurven fliegen.

Das Urteil der Experten-Runde fällt immer gleich aus: „Das zieht Kräfte von weit über 100 G. Ein menschlicher Pilot würde dabei zu flüssigem Brei zerquetscht werden. Also muss es eine unbemannte Drohne sein. Eine seelenlose Maschine.“

Klingt wahnsinnig logisch, oder? Hat nur einen gewaltigen Haken: Während der hochdekorierte Experte das im Fernsehen erklärt, dreht eine gewöhnliche Stubenfliege über seinem Kopf eine Kurve, die relativ gesehen exakt dieselben absurden G-Kräfte erzeugt und setzt sich danach völlig entspannt auf den Rand seiner Kaffeetasse.

Der irre Irrtum der menschlichen Maßstäbe

Wir Menschen setzen unseren eigenen, extrem fragilen Körper als das absolute Maß aller Dinge im Universum. Bei 9 G sackt uns das Blut in die Beine und wir werden bewusstlos. Aber warum kann die Fliege extreme Kräfte ignorieren? Weil sie kein schweres Skelett hat, das brechen kann. Weil sie keine riesigen Blutsäulen hat, die das Herz gegen die Fliehkraft ins Gehirn pumpen muss. Sie hat ein unglaublich stabiles, leichtes Außenskelett.

Wenn also schon unsere simple, irdische Evolution ein biologisches System hervorbringen kann, das extreme Fliehkräfte mit einem Schulterzucken wegsteckt, wie lächerlich und arrogant ist dann die Annahme, dass ein Wesen von einem anderen Stern bei ein paar G-Kräften platzen müsste?

Leben auf Metall- und Säurebasis

Die Experten leiden an einer Krankheit, die man "Kohlenstoff-Chauvinismus" nennt. Sie glauben ernsthaft, Leben müsse im ganzen Universum aus weichem Fleisch, Wasser und DNA bestehen, nur weil das bei uns so gut funktioniert hat. Aber die Natur nimmt das, was da ist.

Stellen wir uns eine Zivilisation vor, die auf einem Planeten mit extremen Bedingungen, gigantischem Druck und tiefen Säure-Ozeanen entstanden ist. Ihre Evolution hat nicht unsere weichen Zellen hervorgebracht, sondern Biologie auf Basis von Säure, schweren Metallen und Supraleitern. Für diese Wesen ist der eiskalte interstellare Raum keine Todeszone, sondern die perfekte Wohlfühloberfläche. Ein Flug durch unser Sonnensystem ist für sie wie für uns ein entspannter Sonntags-Bummel durch die Einkaufspassage.

Die Erde: Eine toxische Sauerstoff-Hölle

Wenn ein solches Wesen unsere Erde besucht, blicken sie nicht auf ein ruhiges, blaues Paradies. Sauerstoff ist ein extrem aggressives, reaktives und korrosives Gas. Für uns ist es Atemluft, für sie ist unsere Atmosphäre, als würden wir nackt in ein Becken voll sprudelnder Säure tauchen.

Das bedeutet: Sie müssen abgeschirmt sein. Wenn wir nun am Himmel eine nahtlose, fensterlose, metallische Kugel sehen, dann denkt unser irdisches Gehirn sofort an eine "künstliche Drohne", in der niemand drinsitzt. Aber vielleicht blicken wir gar nicht auf eine Maschine. Wir blicken glatt auf den biologischen Schutzpanzer oder den High-Tech-Taucheranzug eines Wesens, das gerade einen Ausflug in unsere ätzende Sauerstoff-Hölle macht.

Wir erkennen außerirdisches Leben schlichtweg nicht, weil wir blind davon ausgehen, dass Leben ein weiches Gesicht mit zwei Augen hinter einer Glasscheibe haben muss. Es wird Zeit, dass wir aufhören, das gewaltige Universum mit dem zerbrechlichen Zollstock unseres menschlichen Körpers zu vermessen.