Deutschland befindet sich in einem historischen Umbau. Während die Autoindustrie, einst der Stolz und das Fundament der Republik, zerbröckelt, boomt eine andere Branche: die Rüstung. Doch wer glaubt, dass dieser Wandel unserer Sicherheit dient, übersieht den Zynismus eines Systems, das für über 80 Millionen Menschen die Gefahr der totalen Zerstörung heraufbeschwört, während die Architekten dieser Politik längst ihre Notausgänge in Beton gießen.

Es sind Sätze, die von einer unerträglichen Arroganz zeugen: Wenn Armin Papperger, CEO des deutschen Rüstungsgiganten Rheinmetall, in internationalen Interviews die ukrainischen Drohnenhersteller abwertend als „Hausfrauen mit 3D-Druckern in der Küche“ verhöhnt, die mit „Legosteinen“ spielen, offenbart sich eine elitäre Entrücktheit. Für Papperger ist der Krieg ein exzellentes Geschäft. Seit Ausbruch des Ukraine-Krieges hat sich sein auf rund 10 Millionen Euro verdoppeltes Gehalt den geopolitischen Krisen rasant angepasst, und die Rheinmetall-Aktie ist um ein Vielfaches, in der Spitze nahezu um das 35-fache, förmlich explodiert.

Während an der Spitze der Rüstungsindustrie ein historischer Goldrausch herrscht, predigt man in der Politik Verzicht und Härte nach unten. Wenn ein Friedrich Merz ganz nebenbei Millionen für die eigene Tasche macht, während gleichzeitig ein Jens Spahn, der Mann, der uns noch bestens aus der Zeit in Erinnerung ist, als er für unzählige Steuermilliarden teils unbrauchbare Corona-Masken einkaufte und Steuergeld verbrannte, sich heute hinstellt und lautstark fordert, man müsse das Bürgergeld kürzen, dann offenbart das die tiefe moralische Schieflage dieser Republik. Unten wird der Gürtel enger geschnallt und auf die Schwächsten eingeprügelt, während oben in der Politik Millionen gescheffelt und in der Industrie Milliardenprofite abgeschöpft werden.

Von der Friedensindustrie zum flächendeckenden militärischen Ziel

Doch die Gefahr geht weit über diese moralische Heuchelei hinaus. Deutschland vollzieht derzeit einen industriellen Suizid auf Raten. Das einstige Fundament, die Automobilindustrie, weicht einem rüstungsindustriellen Komplex. Wenn momentan schätzungsweise 4.500 Autozulieferer, teils aus purer wirtschaftlicher Not und fehlenden Alternativen, faktisch zwangsweise zu Zulieferern für Unternehmen wie Rheinmetall werden, verändert das die zivile DNA dieses Landes massiv.

Wir manövrieren uns blindlings in eine sicherheitspolitische Sackgasse, aus der es kein Zurück mehr gibt. Es ist eine einfache strategische Logik: Wer flächendeckend Waffen produziert, macht sich im Ernstfall flächendeckend zum legitimen militärischen Ziel. Nicht nur die Konzernzentralen, sondern das ganze Land wird zur Angriffsfläche.

Ein Land, dessen Wirtschaft zunehmend auf Rüstung basiert, baut sich eine fatale Abhängigkeit auf. Ein solches System verhält sich wie ein Erdbeerfeld: Bei Trockenheit geht es ein. Es muss stetig gegossen werden, mit neuen Krisen, neuen Konflikten, Feindbildern und immer weiter steigenden Verteidigungsbudgets. Andernfalls bricht dieser aufgeblähte Apparat in sich zusammen.

Die Bunker der Eliten: Flucht aus der Verantwortung

Wer gießt dieses System? Es sind Individuen in Politik und Wirtschaft, die diese Strukturen aufbauen, Netzwerke pflegen und diese fatale Abhängigkeit befeuern. Sollten die komplexen und oftmals grauen Wege der globalen Waffenschieberei jemals kritisch ans Licht kommen, greift der fest eingebaute Schutzmechanismus der Verantwortlichen: Man habe von nichts gewusst, die Verantwortung verflüchtigt sich im System. Zeigt die Eskalation jedoch Folgen, wissen sich diese Akteure längst aus der Verantwortung zu nehmen.

Der absolute Gipfel des Zynismus zeigt sich nämlich in dem, was derzeit im Hintergrund geplant wird: Es werden wieder Zivilschutzbunker reaktiviert und neue Schutzräume konzipiert.

Diese Bunker sind nicht für die breite Bevölkerung gedacht, sie sind der in Beton gegossene Beweis für die Verantwortungslosigkeit der Entscheidungsträger. Die Eliten, die dieses System erschaffen und die Eskalationsspirale rhetorisch wie industriell antreiben, wissen genau, welch enormes Risiko sie heraufbeschwören. Sie lagern die Gefahr der totalen Eskalation rücksichtslos auf über 80 Millionen Bürgerinnen und Bürger aus. Und wenn das System, das sie selbst mit Milliarden gegossen haben, im Ernstfall kollabiert, ziehen sie sich in eine absolute Sicherheit unter die Erde zurück, die sie dem Rest des Landes verwehren.

Wir steuern auf eine katastrophale Entwicklung zu. Es ist keine Satire, es ist keine Panikmache, es ist die bittere Realität. Wenn wir nicht aufhören, dieses System zu bewässern, bauen wir uns als Gesellschaft unseren eigenen Sarg, während diejenigen, die den Auftrag dazu erteilt und abkassiert haben, den Deckel von außen und aus sicherer Entfernung schließen.